Marktinfos und Weizenqualität

Keine Ernte ist gleich

Doch dank der grossen Mengen an Getreide, die wir verarbeiten, und dank unserem ausgefeilten Prüf­system können wir die unter­schiedlichen Qualitäten der Roh­stoffe ausgleichen und unsere Mühlen optimal einstellen.

Unser Laborteam analysiert mit grosser Erfahrung laufend die Eigen­schaften von Mehlen und Teigen. Zum Beispiel die Beschaffen­heit des Klebers, den Zustand der Stärke sowie die Wasser­aufnahmefähigkeit und Konsistenz der Teige. Sogar das Back­verhalten lässt sich so prognostizieren – und in unserer Versuchs­bäckerei natürlich auch testen.

Marktentwicklung Mai 2026

Marktbericht

Mai 2026

 

 

Inland

Gemäss Medienmitteilung der "swiss granum" wird die Brotweizenfläche für die Ernte 2026 im Vergleich zum Vorjahr höher eingeschätzt. Aktuell wird von einer Zunahme von rund 2'200 ha (+ 3.1%) ausgegangen. Die Dinkel- und Roggenfläche wird als stabil eingeschätzt. Die geschätzte Bio-Brotgetreidefläche beläuft sich mit 11'200 ha in einer ähnlichen Grössenordnung wie 2025, der Bio-Anteil am Brotgetreide wird für 2026 auf 13.2% (2025: 13.9%) geschätzt. Es werden knapp 440'000 t Brotgetreide (Brotweizen, Dinkel, Roggen, Emmer/Einkorn, Mischel) erwartet; das wäre analog zum Vorjahr. Bei den Anteilen der Qualitätsklassen von Brotweizen nehmen die Klassen TOP und II auf Kosten der Klasse I leicht zu. Den grössten Anteil weist die Klasse Top mit 71.7% auf; dies ist ein zu hoher Anteil.

EU/Weltweit

Anhaltende Niederschlagsdefizite in Mittel-, Nord- und Osteuropa seit März geben langsam Anlass zur Sorge, da der Wasserbedarf der Pflanzen im Frühjahr steigt, auch wenn die Boden­feuchtigkeit bislang noch ausreichend ist. Im Gegensatz dazu haben über­mässige Niederschläge im Südwes­ten und in Teilen Osteuropas lokal zu Staunässe geführt, und kurze Kälteeinbrüche könnten in eini­gen Regionen begrenzte Schäden an empfindlichen Kulturen verursacht haben, wie die nachfolgende Karte aus dem aktuellen MARS-Bulletin der EU zeigt. Die Düngerversorgung in Europa ist nach Einschätzung der Produzenten trotz des Iran-Kriegs nicht gefährdet. Durch die vom Iran blockierte Strasse von Hormus gingen zwar rund 30% des globalen Handels mit Harnstoff, aber Europa versorgt sich weitgehend selbst oder aus anderen Importmärkten wie Algerien und Ägypten. Harnstoffdünger ist einer der weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoff­dünger. Der europäische Selbstver­sorgungsgrad in diesem Segment liegt bei 75%, Kalidün­ger könnten sogar vollständig selbst hergestellt werden. Die Weizenproduktion in Indien dürf­te 2026 um 5 bis 10% unter dem Niveau von 2025 liegen und damit die staatliche Prognose eines Anstiegs ver­fehlen. Regen- und Hage­lereignisse haben kurz vor der Ernte, die Erträge beeinträchtigt. Trotz der erwarteten geringeren Ernte dürften Engpässe ausbleiben, da die staatlichen Lagerbestände deutlich über dem Bedarf liegen. In Marokko haben reichliche Nieder­schläge eine sieben Jahre andauern­de Dürre beendet und dazu geführt, dass das Land in dieser Saison mit einer Getreideernte von 9 Mio. t rechnen kann. Damit würde sie dop­pelt so hoch ausfallen wie im vergan­genen Jahr.

Bio

Gemäss der Bio Suisse sind neben dem Deutschen, dem grössten europäischen Bio-Markt, auch die Verkäufe von Bioprodukten in der Schweiz um 2.8% auf 4,3 Mrd. CHF gewachsen. Der wichtigste Absatzkanal war wie gewohnt Coop mit einem Marktanteil von 43%, gefolgt von Migros mit 31%. Mit 12.3% hält die Schweiz den weltweit grössten Marktanteil an Bio-Produkten und bleibt Bio-Weltmeisterin. Die bewirtschaftete Bio-Fläche lag bei rund 190'000 ha, einem Anteil von 18,4%. Fast jeder fünfte Betrieb in der Schweiz wirtschaftet heute biologisch.

Hartweizen

Verschiedene europäische Hartweizen-Anbauregionen liegen dort, wo aktuell gewisse problematische Anbaubedingungen vorhanden. Wasserdefizite gibt es in Ungarn, Slowakei und Österreich, während Italien und auch Spanien eher mit dem Gegenteil konfrontiert sind. Deshalb sind Landwirte aktuell vorsichtig bezüglich des Ausblicks für die neue Ernte. In Kanada und im Norden der USA werden die kommenden Wochen zeigen, wie die Landwirte auf die jüngsten Marktentwicklungen (hohe Energie- und Düngerpreise) reagieren. Der Hartweizen könnte mit dem hohen Düngungsbedarf stärker zurückgestuft werden als ohnehin schon erwartet wird. 

  

Die Geschäftsleitung
Swissmill

Die Qualität des Inlandweizens der Ernte 2025

Die Qualität des Inlandweizens (SGA; Suisse Garantie) der Ernte 2025 wurde analog dem Vorjahr ermittelt. Insgesamt wurden 211 Muster analysiert, was einer Zunahme von 13 Mustern im Vergleich zum Vorjahr entspricht (Ernte 2024: 198 Muster). Im Rahmen der Untersuchung wurden die elf meistangebauten Weizensorten aus vierzehn repräsentativen Sammelstellen analysiert bzw. geschätzt. Die Ergebnisse wurden pro Klasse gemittelt und mit den Werten der vergangenen fünf Erntejahre verglichen.

Qualität

Die Tabelle 1 veranschaulicht die nach Sortenanteil gewichteten Mittelwerte der untersuchten Qualitäts-merkmale von Inlandweizen der Klassen Top, 1 und 2 im Vergleich zu den Werten der fünf vorangegangenen Jahre.

Tabelle 1: Sortenanteil mit Mittelwerten der untersuchten Qualitätsmerkmale 2025 nach Klassen.

Äussere Kornmerkmale: Feuchtigkeit und Hektolitergewicht

Im Vergleich zu den Vorjahren wiesen die Klassen Top, 1 und 2 eine höhere Feuchtigkeit auf. Sie beträgt in allen Klassen 14%. Dies kann auf die feuchten Wetterbedingungen zurückzuführen sein.

Das mittlere Hektolitergewicht beträgt im Durchschnitt über alle Klassen hinweg 82.4 kg/hl. Infolgedessen liegt das Hektolitergewicht deutlich über dem Wert des Vorjahres 2024 (77.2 kg/hl). Dabei nähert sich der Wert dem des vorletzten Erntejahres von 82.9 kg/hl.

Proteinmenge: Protein- und Feuchtklebergehalt

Erfahrungsgemäss korreliert der Proteingehalt gut mit dem Feuchtklebergehalt. Daher lassen sich die nachfolgenden Aussagen über den Feuchtklebergehalt auch auf den Proteingehalt übertragen. Je höher die Klasse, desto höher der Proteingehalt: Bei der Klasse TOP ist er mit 13.4% am höchsten.

Feuchtklebergehalt: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Feuchtklebergehalt in allen Klassen deutlich tiefer. Die ermittelten Werte liegen über denen der letzten fünf Jahre und ähneln jenen des Jahres 2021. Der mittlere Feuchtklebergehalt beträgt bei der Klasse Top 28.6%, bei der Klasse 1 26.4% und bei der Klasse 2 24.9%. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Abnahme um 2.4 Prozentpunkte bei der Klasse Top, 2.8 bei der Klasse 1 und 3.5 bei der Klasse 2. Weiterführende Details sind dem Anhang 1 zu entnehmen.

Die Sorte Piz Nair weist gemeinsam mit der Sorte Diavel den höchsten Feuchtklebergehalt in der Klasse TOP auf. Der Feuchtklebergehalt beträgt bei Piz Nair 32.5% und bei Diavel 30,2%. Auch die Sorte Arina in der Klasse 1 erreicht mit 30.3% einen Wert über 30%.

Proteinqualität: Glutenindex und Sedimentation nach Zeleny

Der Glutenindex ist ein Mass für die Festigkeit des Feuchtklebers. Aus methodischen Gründen zeigen die Messungen eine gewisse Streuung, sodass Messunterschiede unter 8 nicht interpretiert werden können. Die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse zeigen, dass in allen drei untersuchten Klassen ein vergleichbarer Glutenindex wie in den Vorjahren vorliegt.

Der Sedimentationswert wird sowohl durch den Protein- bzw. Feuchtklebergehalt als auch durch die Qualität dieser Komponenten beeinflusst. Im Vergleich zum Vorjahr sind die mittleren Sedimentationswerte der Ernte 2025 niedriger mit 58ml in der Klasse Top und 53 ml in der Klasse 1. Ebenfalls niedriger ist der mittlere Sedimentationswert der Klasse 2 mit 50 ml. Diese niedrigeren Werte sind Zeichen einer geringeren Qualität.



Abbildung: Vergleich der Weizenernten 2021–2025 anhand wichtiger Qualitätsmerkmale

Wasseraufnahmefähigkeit

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wasseraufnahme bei der diesjährigen Ernte in allen Klassen tiefer. Der Mittelwert der Untersuchungen beträgt 60.4% für die Klasse Top, 60.4% für die Klasse 1 und 58.8% für die Klasse 2. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer relativen Abnahme um 2.7 Prozentpunkte bei der Klasse Top, 2.2 bei der Klasse 1 und 3.4 bei der Klasse 2.

Teigenergie

Die prognostizierte Teigenergie der Ernte 2025 der Klasse Top (113 cm2) und der Klasse 1 (99 cm²) ist mit jener des Jahres 2021 vergleichbar. Dies ist hauptsächlich auf den niedrigeren Sedimentationswert zurückzuführen. Bei der Klasse 2 (101 cm²) zeigt sich eine ähnliche Tendenz wie im Vorjahr.

Stärkequalität: Fallzahl und Amylogramm

Die mittleren Fallzahlen liegen in diesem Jahr in der Klasse Top, Klasse 1 und Klasse 2 unter den Werten der Vorjahre. Die mittleren Werte betragen in der Klasse Top 403 sec, in der Klasse 1 378 sec und in der Klasse 2 393 sec – dies gegenüber den Werten 420 sec (Top), 385 sec (Kl.1) und 427 sec (Kl. 2) aus dem Erntejahr 2024. Teilweise sind die aktuellen Fallzahlen mit denen aus dem Jahr 2023 vergleichbar.

Die aus der Fallzahl abgeleitete Viskosität (Amylogramm) ist im Vergleich zum Vorjahr niedriger, ähnelt jedoch dem Wert des Erntejahres 2023. Bei der Klasse Top ist mit einer Viskosität von 1083 AE und bei der Klasse 2 von 1004 AE zu rechnen. In der Klasse 1 liegt der Wert mit 897 AE etwas niedriger. 

Prognose der Mehlqualität und Verarbeitungsempfehlungen

Die Beschreibung der erwarteten Qualität der Normalmehle lässt sich in die beiden Bereiche Stärkekomplex und Proteinkomplex aufteilen. Aufgrund der Qualität des Inlandweizens 2025 kann insgesamt mit schlechteren Eigenschaften als im Vorjahr gerechnet werden.

Stärkekomplex: Backmehlen wird eine optimale Amylaseaktivität zugeschrieben, wenn sie eine Viskosität von 500 bis 800 AE aufweisen. Gemäss der Ernteerhebung wird der mahlfähige Weizen der Ernte 2025 wiederum Mehle mit deutlich geringerer Amylaseaktivität (d. h. höherer Viskosität) ergeben. Die Viskosität liegt für die Klasse Top bei 1083 AE, für die Klasse 1 bei 897 AE und für die Klasse 2 bei 1004 AE. Durch die Zugabe von aktivem Malzmehl können die Mehle jedoch in Richtung des erwähnten Optimums eingestellt werden. Hierzu dient die Ernte 2023 als Referenz.

Proteinkomplex: Anhang 1 zeigt den Vergleich der Ernten 2021–2025 in Relation zu den mit den Standardkunden vereinbarten Spezifikationswerten anhand der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Weizen. Im Gegensatz zur Erntequalität, die sich naturgemäss bei allen Merkmalen von Ernte zu Ernte ändern kann, bleiben die jeweiligen Sollbereiche über die Jahre hinweg gleich, da die Bäckereien eine konstante Mehlqualität fordern.

Im Vergleich zum Vorjahr weist der Weizen einen niedrigeren Feuchtklebergehalt auf. Dieser befindet sich jedoch über alle Klassen hinweg unter dem Sollbereich. Der Glutenindex ist ähnlich wie im Vorjahr. Um einen geeigneten Feuchtklebergehalt zu erreichen, kann die Zugabe von Trockengluten erforderlich sein.

Backeigenschaften

Die Backeigenschaften der klassenreinen Weizenmehle Typ 550 sind als gut zu bewerten. Die Verarbeitungseigenschaften sowie die Backergebnisse sind ähnlich wie im Erntejahr 2023.

Im Vergleich zum Jahr 2024 ist der Feuchtklebergehalt etwas tiefer. Die Glutenqualität führt zu fliessenden und leicht feuchten Teigen. Der tiefere Feuchtklebergehalt führt zu einer tieferen Wasseraufnahmefähigkeit. Die Werte befinden sich noch im akzeptablen Bereich, sollten aber beachtet werden.

Die Stärkebeschaffenheit ist wieder stark ausgeprägt und die Viskositätswerte zeigen hohe Werte an. Dies bedeutet, dass die Teige/Produkte trockenbackend sind. Das erlaubt (bzw. erfordert) den Einsatz von enzymaktiven Malzprodukten, um trockenbackende Produkte zu vermeiden. Auch während des Backvorgangs kann eine Malzzugabe zur Förderung der Bräunungsreaktion von Nutzen sein.

Beim Kneten ist auf die Empfindlichkeit der Feuchtkleberqualität und die Knetintensität zu achten. Das Quellkneten ist zu verlängern und das Intensivkneten zu verkürzen. Zusätzlich ist die Knettoleranz etwas geschwächt. Die Gluten-Dehnprobe und -Fensterprobe helfen, die Knetzeit an die vorhandene Mehlqualität anzupassen.


Die Teigtemperatur von 24°C bei direkter Teigführung kann beibehalten werden. Ebenso kann die Stockgare/Teigruhe unverändert bleiben. Die weicheren Gluteneigenschaften können zu nachlassenden Teigen führen, was sich nachteilig auf die Gärstabilität und das Gebäckvolumen auswirkt. Hier empfiehlt es sich, stabilisierende Backmittel mit Gluten anregenden Eigenschaften einzusetzen. Die Ofentemperatur kann beibehalten werden, da für die Bräunungsreaktion nur wenig aufgeschlossener Zucker zur Verfügung steht. Ausserdem zeigt das Volumen der Produkte geringere Volumenerträge als im Vorjahr.

Archiv

Marktinformationen und jährliche Qualitätsanalysen der letzten Jahre

Archiv

Marktinformationen und jährliche Qualitätsanalysen der letzten Jahre

Qualität der Inland-Weizenernte